Was von einer Reise bleibt – von Maximilian Schädlich
Im Jahr 2015 besuchte ich Myanmar zum ersten Mal. Ich war damals Praktikant in Singapur. Es zog mich nach Myanmar, ein echter Kontrast zu Singapur und ein touristisches Highlight in Südostasien.
Auf dieser Reise durfte ich das Waisenhaus ACT besuchen, das seit 2000 von der Myanmar Stiftung betreut wird. Der Projektleiter Min-Min nahm sich viel Zeit für mich. Er führte mich über das Gelände, stellte mir die Kinder vor und erklärte mir geduldig, wie das Haus funktioniert: was eine Mahlzeit, ein Schuljahr, oder ein Arztbesuch kostet.
Was mich sofort einnahm, waren die Menschen. Min-Min spricht hervorragend Englisch – alle anderen sprachen wenig oder gar keines. Und doch verstanden wir uns alle auf Anhieb. Vieles ließ sich mit Händen, Füßen und viel Lachen klären. Mit den Kindern habe ich mich schlicht prächtig amüsiert – zum Spielen braucht es eben keine gemeinsame Sprache. Obwohl die Menschen dort wenig haben, war die Gastfreundschaft überwältigend. Als Gast wurde ich regelrecht verwöhnt – nicht zuletzt mit wunderbarem Essen, vieles davon aus eigenem Anbau.
Ich durfte auch der monatlichen Spesen- und Gehaltszahlung beiwohnen. Min-Min übergibt jedem Mitarbeiter sein Gehalt persönlich – gegen Unterschrift und mit Foto, das nach Deutschland geschickt wird. So wird im wahrsten Sinne des Wortes „sichtbar“, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
Auch die Zahlen ließen mich nicht mehr los: Rund 360 Euro versorgen ein Kind ein ganzes Jahr lang – mit Essen, Kleidung, Schulgeld und medizinischer Grundversorgung. Nie zuvor habe ich so unmittelbar erlebt, wie viel man mit wenig bewirken kann – und wie gut es uns in Deutschland geht. Vieles, was ich für selbstverständlich hielt, ist es nicht: eine Schule mit Lehrern, ein Arzt, der kommt, wenn man ihn braucht, ein Land, was nicht unter Bürgerkrieg und Repressalien einer Militärdiktatur leidet.
Dieser Besuch hat mich, damals Anfang zwanzig, tief geprägt – bis heute. Es ist eine Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann: Sie relativiert unsere „Probleme“ und worüber wir uns täglich beklagen.
Zehn Jahre später schließt sich ein Kreis: Als neu gewähltes Beiratsmitglied der Myanmar Stiftung darf ich die Arbeit, die mich damals so beeindruckt hat, heute selbst mittragen. Seit dem Putsch ist die Lage dramatisch schwieriger geworden – die Hilfe wird mehr denn je gebraucht. Umso mehr freue ich mich, gemeinsam mit dem Beirat und Projektleitern, wie Min-Min, dafür zu sorgen, dass die Kinder weiterhin ein Zuhause, eine Ausbildung und eine Perspektive haben.
