Bildung ist wichtiger denn je
Viele Familien in Myanmar können sich die Schulbildung ihrer Kinder nicht mehr leisten. Geld fehlt an allen Ecken und Enden: für Schuluniformen, für Lernmaterialien und selbst für den täglichen Weg zur Schule. Seit 2021 ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler von rund 9,7 Millionen auf etwa 6 Millionen gesunken – ein dramatischer Rückgang mit weitreichenden Folgen.
Mit einer jährlichen Unterstützung von 360 Euro pro Kind legen unsere Spenderinnen und Spender die Basis, dass Kinder in unseren Projekten zur Schule gehen können. Die Myanmar Stiftung verdoppelt diesen Betrag, um alle notwendigen Lernmaterialien, Nachhilfe, medizinische Versorgung und verlässliche Begleitung der Kinder zu sichern. Auch wenn das staatliche Bildungssystem international nicht wettbewerbsfähig ist, bildet es doch das Fundament jeder weiteren Ausbildung – und damit jeder realistischen Zukunftsperspektive.
In Myanmar besteht zwar Schulpflicht, sie wird jedoch kaum durchgesetzt. Das Bildungssystem gliedert sich in fünf Jahre Primary School, vier Jahre Lower Secondary und drei Jahre Higher Secondary School. Der Abschluss der Higher Secondary ist entscheidend für den weiteren Bildungsweg. Er bestimmt, ob und welche Studienrichtung junge Menschen einschlagen dürfen – sei es an einer Universität, einem College oder einem technischen Institut.
Gute Abschlussnoten eröffnen den Zugang zu technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen, etwa im medizinischen Bereich oder in der Ingenieurwissenschaft. Auch Pflegekräfte müssen hierfür ein Universitätsstudium absolvieren. Mit schwächeren Noten bleiben meist geisteswissenschaftliche Fächer wie Sprachen, Geografie oder Archäologie. Zusätzlich ist eine Aufnahmeprüfung erforderlich; erst nach deren Bestehen kann ein Studium aufgenommen werden.
Da viele Universitäten seit dem Militärputsch geschlossen sind oder aufgrund der anhaltenden Unruhen nicht regulär besucht werden können, weichen zahlreiche Studierende auf Fernstudienprogramme aus.
Und doch gilt inmitten all dieser strukturellen Schwächen und politischen Verwerfungen etwas sehr Einfaches: Wenn Kinder zur Schule gehen, sind sie nicht auf der Straße. Sie befinden sich in einem geschützten Raum. Sie lernen, entwickeln Fähigkeiten und schöpfen Hoffnung.
Bildung ist in Myanmar derzeit weit mehr als Unterricht. Sie ist Schutz, Stabilität und eine der letzten verlässlichen Brücken in eine mögliche Zukunft.
