Myanmar erlebt die schwerste Krise seit seiner Unabhängigkeit
Eine Militärregierung, die sich durch unfreie Wahlen „legitimiert“, unzählige bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Widerstandsgruppen und Militär, Massenflucht – vor allem junger Menschen – und eine dramatische Verarmung prägen das Land.
Die Menschen haben keine Arbeit. Die Sicherheitslage ist beängstigend, die Perspektiven erscheinen vielen hoffnungslos. Seit dem Militärputsch 2021 sind rund 3,5 Millionen Menschen innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben – in ihrer Heimat heimatlos. Sie leben in Lagern, haben sich dem Widerstand angeschlossen oder sind auf der Flucht. Bis zu vier Millionen weitere haben Myanmar ganz verlassen. Sie flohen vor der Willkür des Militärs oder sahen keine Lebensgrundlage mehr für sich. Viele junge Menschen hatten zudem Angst, zum Militärdienst gezwungen zu werden.
Das Land blutet aus: Es verliert gut ausgebildete junge Menschen, Lehrerinnen und Lehrer, medizinisches Personal – und damit auch dringend benötigtes Potenzial für künftige Führungskräfte in Wirtschaft und Politik.
Im Februar traf unsere Beiratsvorsitzende unseren Projektleiter Min Min in Bangkok und mit ihm auch einige junge Geflüchtete. Sie sehnen sich nach ihrer Heimat und sind doch gezwungen, in Thailand oder anderen Ländern der Region meist schlecht bezahlte Arbeit – häufig in Fabriken – anzunehmen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten oder zu sichern. Ob in Thailand, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder anderswo: Geflüchtete aus Myanmar sind besonders gefährdet, ausgebeutet zu werden. Nur wenige werden eine reale Chance haben, sich aus dieser prekären Situation zu befreien.
Eine Perspektive haben überhaupt nur die, die zumindest ihre Schulbildung abschließen und eine Ausbildung beenden konnten.
So paradox es klingt: Auch wenn das Land im Chaos versinkt – Zukunft entsteht nur, wenn Menschen bleiben, lernen und Verantwortung übernehmen können.
Wir tun, was wir können, um in unseren Projekten die Grundlage für ein möglichst stabiles Leben in Myanmar zu schaffen. Wir finanzieren Schulgelder und Nachhilfeunterricht. Wir zahlen Gehälter für Lehrkräfte, wenn sie vom Staat nicht mehr bezahlt werden.
Bildung ist in dieser Situation wichtiger denn je.
