Existenzhilfe im Delta

Der Zyklon Nargis war der Auslöser für unser Existenzhilfe-Programm im Süden von Myanmar.
Am 02. Mai 2008 wurde das Delta, südwestlich von Yangon, von der Wucht dieser Naturgewalt getroffen. Für die Reisbauern und Fischer in der Region kam die Katastrophe ohne Vorwarnung in der Nacht. Die traurige Bilanz waren über 80.000 Tote sowie mehr als 50.000 Vermisste. Viele der Überlebenden waren verletzt; die Menschen hatten oft alles verloren.

Wir konnten unmittelbar unsere Hilfeleistungen starten. Über unsere jahrelangen Aktivitäten in Myanmar verfügen wir über ein gutes burmesisches Netzwerk. Mit Hilfe unserer Projektleiter vor Ort, sowie unserer Partner Interplast Germany e.V. – Sektion München, Stiftunglife und der Amara Foundation, konnten wir zügig Hilfsgüter wie Trinkwasser, Decken, Planen, Kochgeschirr in das Krisengebiet bringen. Diese Soforthilfe in Höhe von USD 150.000,-- haben Sie dank Ihrer umfangreichen Spenden ermöglicht.

Nach der Erstversorgung stellte sich die Frage: wie geht es für die Menschen weiter? Wir haben die Farmer und Fischer gefragt,  was sie am dringendsten benötigen, um wieder ein eigenständiges Leben führen zu können. Natürlich musste als erstes das Dach über dem Kopf repariert werden. Ein neuer Ochse und Pflug waren wichtig, um die Felder wieder zu bestellen. Die Fischer benötigten neue Boote und Netze,  um ihre Arbeit wieder aufnehmen zu können.

Das war der Startschuss für unser Existenzhilfe-Programm. In ausgewählten Dörfern unterstützen wir Farmer, Fischer und Handwerker, die ihre berufliche Grundlage verloren hatten. Mit max. Euro 1.000,-- pro Familie haben wir Ihnen zu einer neuen Existenz verholfen. Die Hälfte des Geldes muss innerhalb der nächsten 5 Jahre zurückgezahlt werden, wenn das geschehen ist, sind die anderen 50% geschenkt. Die Rückflüsse sind für Gemeinschaftsprojekte in den jeweiligen Dörfern bestimmt.

 

Wie funktioniert das System?

In den ausgewählten Dörfern wurden Vertrauensmänner (Trustees) vor Ort ausgewählt, die alle Dorfbewohner gut kennen und Achtung im Dorf genießen. Sie haben mit den Familien die Kreditverträge geschlossen und „bürgen“ für die Rückzahlung der Hälfte. Jeder einzelne Empfänger ist mit Namen und Foto in einer Kladde festgehalten. Alle Auszahlungen wurden per Unterschrift und Daumenabdruck quittiert (Auszüge aus diesen Kladden finden Sie in unserer Fotogalerie).
Der Treuhänder hat langfristig eine beratende Funktion für die Menschen im Dorf. Er nimmt die Auszahlungen vor, führt einen Nachweis über die Verwendung dieser Mittel und kontrolliert die Rückzahlungen. Über seine kontinuierliche Betreuung erstattet er Bericht an unseren Projektleiter Mr. Saw Saw in Yangon, der wiederum die Schnittstelle für uns in München darstellt.

Mr. Saw Saw betreut 6 Dörfer mit ca. 200 unterstützten Familien, an die wir rd. USD 160.000,-- ausgezahlt haben.
Lady Kalayar Moe-Schreiber verantwortet – neben ihren eigenen Projekten – für unsere Stiftung in vier schwer erreichbaren, zusammen liegenden Dörfern, die Vergabe von insgesamt ca. USD 140.000,-- an 120 Farmer Familien.

 

Die ersten Erfolge

Dank dieser Mittel, die neben Saatgut und den hocheffizienten, chinesischen Einachs-
Traktoren auch für Düngemittel ausreichten, fällt die Reisernte überwiegend gut aus. In
dem Dorf Kwin Pone war der Ertrag  so hoch, dass mit dem Verkauf der Ernte und durch Zuwendungen aus dem Dorf selbst, bereits im Mai 2009  die   gesamten  50% zurückgeflossen waren. Mit  diesem Betrag von ca. USD 20.000,00 wurde das völlig zerstörte Schulgebäude wieder errichtet.

Dabei haben wir darauf geachtet, dass in dem größeren Gebäude mehr Raum in den Klassenzimmern entsteht, um den Schülern ausreichend Platz zu geben, sich zu entfalten. Derzeit kommt auf einen Schüler umgerechnet oft weniger als 1 qm einschließlich Hocker und Tisch, der gerade mal die Ablagefläche für ein Heft bietet.

Mit zusätzlichen Mitteln aus unserer Stiftung haben wir für das Schulgebäude auch eine Stromversorgung über eine Photovoltaik-Anlage installiert. Damit haben die Schüler auch nach Sonnenuntergang (kurz nach 18 Uhr) die Möglichkeit, dort zu lernen und zu lesen oder auch zu spielen. Es ist die einzige, öffentlich zugängliche Lichtquelle im Dorf. (Diese Anlage könnte Pilot-Charakter auch für unsere Projekte außerhalb des Deltas bekommen.)

In dem Dorf Daydaye hatte sich die Dorfgemeinschaft entschlossen, statt neuer Zugtiere, insgesamt 9 chinesische Einachs-Traktoren für die Gemeinschaft anzuschaffen. Die Kosten für einen Traktor liegen bei ca. USD 1.000,--.  Damit können die Reisfelder ungefähr fünf mal  schneller bestellt werden, als es mit Ochsen möglich wäre. Dank dieser effizienten Arbeitsweise, fließt auch hier bereits ein Großteil des Geldes zurück.

Die Ernteerfolge in den einzelnen Dörfern sind durchaus unterschiedlich. Sie hängen überwiegend von dem Grad der Versalzung nach der Sturmflut ab.

 

Wie sieht es heute im Delta aus?

Im April 2009, nach fast einem Jahr tropischen Wachstums, waren die Zerstörungen
noch am augenfälligsten beim Baumbestand: Palmen sind abgebrochen, abgeknickt,
halb entwurzelt oder so schräg stehend, dass sie beim nächsten Sturm fallen werden. Die
typische Behausung, die Bambushütte mit Strohbedachung, (Tausende davon wurden samt
ihren Bewohnern in der Katastrophen Nacht vollständig weggeweht und weggespült), ist
heute wieder ordentlich aufgerichtet. In erbärmlichen Trümmern liegen Steingebäude, oft
Schulen, die nicht schnell genug geflutet werden konnten und dem Wasserdruck von
mehreren Metern nicht standhielten. Wir sind gespannt auf die Richtlinien der Regierung
zum Bau der neuen Schulgebäude.

Wir können in erster Linie helfen, die materiellen Schäden zu beheben. Viele der Menschen, die ihre Angehörigen, manchmal die ganze Familie verloren haben, sind traumatisiert und werden noch viel Zeit benötigen, um über diese schweren Verluste hinwegzukommen.